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1971 bis 1986: Erste Gehversuche mit einem neuen Medium

 

Wie kommt es, dass eine Schule ein eigenes Fernsehstudio hat? Warum betreiben Schülerinnen und Schüler einen eigenen Fernsehsender? Diese Geschichte nahm ihren Ausgang im Jahr 1971. In einer Zeit, zu der es an der Ludwig-Erk-Schule in Dreieichenhain kein Fernsehgerät gab und den meisten Lernenden und Lehrenden das Wort "Videorekorder" unbekannt war.

 

Mit Hilfe des aufgeschlossenen Elternbeirates der Haupt- und Realschule gelang es, einen Videorekorder (½" offene Spule) und einen umgerüsteten Fernseher als Sonderangebot für 1.650,-- DM bei Quelle zu kaufen. Damit war der Grundstein für eine Entwicklung gelegt, die bis heute andauert. In den folgenden Jahren sammelten Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte erste Erfahrungen mit dem Aufzeichnen von Fernsehsendungen und deren Einsatz im Unterricht.

 

Richtig Fahrt nahmen die medienpädagogischen Versuche aber erst ab dem Jahr 1976 auf, als die Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Erk-Schule in einen geräumigen Neubau umzogen. Das neue Gebäude war mit einem audio-visuellen Studio, ausgerüstet mit zwei professionellen MAZ-Geräten und einer Schwarzweiß-Studiokamera, ausgestattet. Die mittlerweile zwei Videorekorder-Einheiten wurden integriert. Um alte und neue Technik zu pflegen und auszuleihen, Sendungen im Fernsehen aufzuzeichnen und sie dann in den Filmräumen einzuspielen, gründet eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern das „AV-Schüler-Team“. Im folgenden Jahr wurde aus der bisherigen Haupt- und Realschule eine additive Gesamtschule. In einem Haupt- und einem Realschulzweig sowie einem Gymnasialzweig lernen fortan die Schülerinnen und Schüler der Weibelfeldschule gemeinsam unter einem Dach.

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Im Jahr 1978 ist endlich die Zeit vorbei, in der sich Erfahrungen mit Video nur auf das Aufzeichnen und Wiedergeben fremder Inhalte bezog, denn in diesem Jahr schafft der Kreis Offenbach eine erste Dreiröhren-Farbstudiokamera an. Diese benutzen die frisch gebackenen Videofilmer, um eine erste Auftragsproduktion in Angriff zu nehmen, sie steht unter dem Titel: "Modellversuch 10. Hauptschuljahr in Hessen". In dem Film werden die verschiedenen Aktivitäten während des 10. Hauptschuljahres dokumentiert, darunter eine Modenschau mit von den Schülerinnen und Schülern selbst hergestellten und bedruckten T-Shirts.

 

Schon zu diesem frühen Zeitpunkt wird den Videofilmern deutlich, dass die Produktion von Dokumentationen und anderen Filmen nicht nur sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, sondern auch finanziell große Anforderungen stellt. Aus diesen Überlegungen heraus suchen sich die Lehrenden und Lernenden außerhalb der Schulmauern neue Partner. 1979 beginnt das AV-Studio der Weibelfeldschule mit der Videogruppe des Jugendclubs WIRIC im Bürgerverein Buchschlag zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig werden im AV-Studio Videokurse für das Volksbildungswerk Dreieichenhain angeboten. Als Honorar erhält das Studio einen Zuschuss von 50% für eine tragbare Farbkamera. Diese wird dann gleich eigesetzt, denn zum neuen Schuljahr findet im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts II der erste Videokurs statt.

 

Auch in den folgenden drei Jahren wird der Gerätepool langsam weiter ausgebaut, so finanzieren der Jugendclub WIRIC, der Bürgerverein Buchschlag und der Kulturelle Förderverein Buchschlag gemeinsam einen ersten tragbaren Rekorder. Auch werden die Möglichkeiten für interessierte Schülerinnen und Schüler, in der Schule aktiv zu werden, größer, denn sie können sich mit interessierten Altersgenossen und Ehemaligen montags zwischen 19:30 Uhr und 22:00 Uhr im AV-Studio treffen. Wie groß der Elan der ersten Jahre war, wird deutlich an einem Zitat, über das manch eine Leserin oder Leser des Dreieich-Stadt-Anzeigers am 11. Dezember 1981 gestolpert sein mag: "Im übrigen ist WIRlC ... mit dem Audiovisuellen Team der Weibelfeldschule daran, in regelmäßigen Abständen ein ,Lokales Fernsehen Dreieich' zu produzieren, das in längeren oder kürzeren Zeitabständen überall in Dreieich gezeigt werden soll".

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Einen großen Schritt hin zur Produktion eines regelmäßigen Videomagazins wurde im Jahr 1983 gemacht. Unter dem Motto "Wir gehen auf Sendung" gründen zu Beginn des Schuljahres 1983/84 zwanzig Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufe 7 ihren eigenen "Fernsehsender". Im Rahmen des vierjährigen Modellversuchs PUSCH entstand das „Senioren-Fernsehen-Dreieich“. In den folgenden Jahren wurden zwölf Videomagazine mit 66 Beiträgen produziert. Diese wurden anschließend in den Seniorentreffs der fünf Stadtteile Dreieichs vorgeführt. So veranstalteten Schülerinnen und Schüler insgesamt 90 Vorführungen mit einem Großbildprojektor, die ab 1995 zum Teil auch bei Seniorentreffs in den Nachbarkommunen Langen und Egelsbach stattfanden. Neben der kontinuierlichen Arbeit im Unterrichtszusammenhang bildete die Aufzeichnung von Veranstaltungen ab 1984 einen wesentlichen Inhalt der Arbeit. Über 20 Jahre wurde beispielsweise das jährlich stattfindende Festival „Jazz in der Burg“ filmisch festgehalten.

 

In den folgenden Jahren wurden die Aktivitäten der Lehrkräfte und Lernenden immer bekannter, das geschah einerseits durch den Gewinn von Preisen, wie z.B. 1985 dem 2. Preis der Robert-Bosch-Stiftung im Wettbewerb

"Praktisches Lernen mit Kopf und Hand". Auf der anderen Seite wurden die mediendidaktischen Aktivitäten an der Weibelfeldschule auch durch zahlreichen Presseberichte und Publikationen von den Rundfunk- und Fernsehanstalten entdeckt. HR, WDR, SWF, ZDF und RTL berichteten in den folgenden Jahren in diversen Beiträgen aus und über das AV-Studio und seine Arbeit.

 

Gleichzeitig mit dem Erfolg und dem Bekanntwerden des Projekts über die Grenzen Dreieichs hinaus, bangten die Macher um den Fortbestand des Senders. Denn wie es nach dem Ende der Modellversuchsphase weitergehen sollte, war unklar. 1986 besuchte zwar der hessische Kultusminister Karl Schneider das SFD, jedoch konnte er trotz Kaffee und Kuchen den Schülerinnen und Schülern keine finanziellen Zusagen für den Fortbestand ihres Senders machen. Im folgenden Jahr ging es dann, trotz Beendigung der Modellversuchsphase, weiter, das Projekt „Schüler machen Fernsehen in ihrer Stadt“ wurde fortan von der Stadt Dreieich und dem Bürgerhaus Sprendlingen finanziell und technisch unterstützt. [zurück...]